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Wilhelm Meisters Lehrjahre 5

Wilhelm Meisters Lehrjahre 5
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Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Fünfzehntes Kapitel
Sechzehntes Kapitel I
Sechzehntes Kapitel II
 
 

Zehntes Kapitel 

Eine neue Gemütsbewegung, die er für Verdruß hielt, versetzte ihm den Atem; und nach einer kurzen Pause, in der er sich erholt hatte, rief er gefaßt:
 
"Stehen Sie auf, Philine! Was soll das heißen? Wo ist Ihre Klugheit, Ihr gutes Betragen? Sollen wir morgen das Märchen des Hauses werden?" Es rührte sich nichts.
 
"Ich scherze nicht", fuhr er fort, "diese Neckereien sind bei mir übel angewandt." Kein Laut! Keine Bewegung! Entschlossen und unmutig ging er endlich auf das Bette zu und riß die Vorhänge voneinander.
 
"Stehen Sie auf", sagte er, "wenn ich Ihnen nicht das Zimmer diese Nacht überlassen soll."
 
Mit großem Erstaunen fand er sein Bette leer, die Kissen und Decken in schönsten Ruhe. Er sah sich um, suchte nach, suchte alles durch und fand keine Spur von dem Schalk. Hinter dem Bette, dem Ofen, den Schränken war nichts zu sehen; er suchte emsiger und emsiger; ja ein boshafter Zuschauer hätte glauben mögen, er suche, um zu finden.
 
Kein Schlaf stellte sich ein; er setzte die Pantoffeln auf seinen Tisch, ging auf und nieder, blieb manchmal bei dem Tische stehen, und ein schelmischer Genius, der ihn belauschte, will versichern: er habe sich einen großen Teil der Nacht mit den allerliebsten Stelzchen beschäftigt; er habe sie mit einem gewissen Interesse angesehen, behandelt, damit gespielt und sich erst gegen Morgen in seinen Kleidern aufs Bette geworfen, wo er unter den seltsamsten Phantasien einschlummerte. Und wirklich schlief er noch, als Serlo hereintrat und rief
 
"Wo sind Sie? Noch im Bette? Unmöglich! Ich suchte Sie auf dem Theater, wo noch so mancherlei zu tun ist."
 
 
 
 
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